Die Sache mit dem Vertrauen

In meinem aller ersten Blogbeitrag habe ich mich dem Thema Respekt beschäftigt. Auf meiner Willkommensseite steht zuerst Respekt, dann folgt Vertrauen und zum Schluss kommt Harmonie. Die Reihenfolge habe ich aus einem Grund gewählt (ich habe mir tatsächlich Gedanken beim Design gemacht…;)). Respekt steht für mich am Anfang der Beziehung mit deinem Pferd. Respekt ist auch etwas, das man relativ zügig klären kann und auch sollte. Nun, aus meiner Sicht folgt als nächstest in meiner Beziehung das Vertrauen. Vertrauen ist eng mir Respekt verbunden, ich kann niemanden Vertrauen, wenn ich sein Können nicht anerkenne, also wenn ich ihn nicht respektiere. Dann kann ich höchstens darauf vertrauen, dass er nicht das macht was ich gut fände ;). Aber unser Pferd soll ja darauf vertrauen, dass wir das Richtige tun. Zuerst muss also der Respekt stimmen, die Grundregeln müssen sitzen, das 1×1 der Kommunikation. Dann kann man Vertrauen aufbauen.

Aber Maike, Wie?! Wie baut man denn jetzt dieses Vertrauen auf? Zunächst die gute Nachricht, du musst nichts dafür tun. Jetzt die schlechte Nachricht. Es dauert laaaang! Aber von Vorne… nichts tun? Vertrauen fliegt einem doch nicht einfach zu? Jaein, nicht direkt. Aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass der Teil, der Arbeit bedeutet, der mit dem Respekt ist. Hier muss man arbeiten, jedes Mal wenn man mit seinem Pferd zusammen ist und jedes Mal wenn man nicht mit seinem Pferd zusammen ist. Selbstvertrauen und Standhaftigkeit fliegt einem wirklich nicht zu. Jede Sekunde, die du mit deinem Pferd verbringst, musst du dein Verhalten reflektieren und absolut konsequent und logisch auf alles reagieren, was dein Vierbeiner macht. Druck aufbauen, Druck wegnehmen, loben oder Pausen geben. DAS ist die Arbeit, die man als Führungsperson in seiner Zweier-Herde machen muss. Permanente Selbstreflexion. Für Vertrauen musst du nichts machen, außer diese Führungsrolle perfekt auszuführen. Du siehst – fast nix.

Kommen wir zum zweiten Punkt, der Zeit. Vertrauen braucht Zeit, unendlich viel Zeit. Je länger man sie ziehen lässt, umso besser wird sie 🙂 Wenn du Tag für Tag ein zuverlässiger Herdenchef für dein Pferd bist, wirst du irgendwann merken – Oh, das Pferd vertraut mir ja! Es gibt den Spruch:

„One day your horse will say, ‚The answer is yes, what was the question?'“ – Pat Parelli

Ich möchte hier betonen, dass selbst Pat Parelli in seinem Zitat sagt … eines Tages… Vertrauen ist etwas, was langsam wächst. Ohne dass wir es zunächst merken, aber irgendwann schauen wir uns um und sehen eine wundervolle Beziehung mit unserem Ponychen. Diese Beziehung ist gewachsen aus jedem kleinen Moment, in dem wir unsrem Pferd gesagt haben: “ Alles ist gut, ich gehe vorweg und du folgst.“ Aus jedem Moment, in dem wir unserem Pferd zu gehört haben und seine Bedürfnisse als Pferd wahrnahmen. Kurz, in jedem Moment in dem wir voreinander Respekt hatten.

Und noch etwas wird sich mit der Zeit herausstellen, nicht nur dein Pferd wird dir vertrauen, sondern auch du deinem Pferd. Das ganze System ist ein Geben und ein Nehmen. Respektiere dein Pferd, dein Pferd respektiert dich. Vertraue auf dein Pferd, dein Pferd vertaut dir. Manchmal muss man einfach mal losgehen, einfach mal auf sein Pferd vertrauen. Mit der Zeit wird das immer leichter werden. Ohne Seil longieren, mit Halsring reiten oder ohne Sattel reiten. Einfach mal die Kontrolle runterfahren und vertrauen. Ihr merkt, dass ist nichts was man zu Beginn einer Beziehung macht. Das kann auch schon Überwindung kosten, aber je länger ihr euch kennt, um so leichter fällt es euch, den Quatsch des anderen mitzumachen.

Vertrauen ist der feste Glaube, sich auf jemanden verlassen zu können. Respekt kann man einfordern. Glaube nicht. Du kannst Vertrauen nicht von deinem Pferd einfordern. Du kannst nur jeden Tag aufs Neue die beste Version von dir selbst sein und warten. Ich habe gerade mal mit zwei Pferden in meinem Leben eine wirklich tiefe Beziehung aufgebaut: Tescaro und Laila und meine Erfahrung aus beiden Beziehungen war, zwei Jahre. Nach zwei Jahren habe ich das erste mal gespürt, dass ich meinem Vierbeiner vertraue. Wirklich vertraue. Ich hatte das feste Wissen: Ich komme in den Stall und dort steht ein Kumpel, der mich nicht im Stich lässt. Moniet habe ich jetzt ein Jahr. Wir sind noch nicht ganz an dem Punkt. Das muss ich einfach ehrlich sagen. Meine Beziehung wächst schneller, als die mit Tescaro oder Laila. Ich habe mehr Erfahrung als früher. Aber dennoch. Ich bin immer noch sehr vorsichtig um ihn herum, ich muss meine Emotionen extrem kontrollieren und wenn ich mal an einem Tag nicht zu 100% fokussiert bin, dann lässt mich der Kleine das sofort spüren. Ich weiß, dass Moniet und ich auch an einen Punkt wie Laila und ich kommen werden, alles was ich haben muss ist Geduld. Dieses Pferd und ich werden hoffentlich die nächsten 30 Jahre zusammen verbringen. Ich habe es nicht eilig…

Also, macht euch bewusst, zwei Jahre sind eine lange Zeit. Gebt sie euch und eurem Pferd. Arbeitet jeden Tag zusammen an eurer Beziehung und das Vertrauen kommt von ganz allein.

Tescaro und ich „blanko“ unterwegs, nur mit einer Gerte bewaffnet. Das Bild ist nach über fünf Jahren zusammen mit diesem Super – Pony entstanden❤

Laila am Halsring. Am Anfang war schon alleine Schrittreiten Stress für die Maus. Inzwischen ist sie für mich eine Lebensversicherung auf vier Hufen!

Blog#2 Die Sache mit dem Vertrauen

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